Nationalpark Eifel

Der Nationalpark Eifel besteht seit dem 1. Januar 2004 und ist seitdem der einzige Nationalpark in Nordrhein-Westfalen. Mit 110 qkm ist seine Fläche zwar eher klein, aber seine landschaftlichen Reize sowie die Tier- und Pflanzenvielfalt ist ausgesprochen vielfältig.

Seit Gründung des Nationalparks ist die Bevölkerung in den Kreisen Euskirchen, Düren und Aachen ausgesprochen engagiert. Einige Bürgerinnen und Bürger hatten jahrelang auf seine Einrichtung gedrängt. Das Logo des Parks wurde im Rahmen eines Mitmachwettbewerbs bestimmt und die Verbände BUND und NABU konnten sich über viele neue Natur-Interessierte freuen.

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Der Nationalpark ist an vielen Stellen noch in der Entwicklung (c)

Nach dieser Aufbruchstimmung ist Routine eingekehrt. Der Nationalpark gehört für viele Nordeifeler zu ihrem Alltag und ist fester Bestandteil der lokalen Identität. Der Nationalpark ist nicht nur für die Einheimischen eine Bereicherung, er ist auch Anziehungspunkt für Ausflügler und Urlauber aus den benachbarten Städteregionen um Köln, Bonn, Aachen sowie dem benachbarten Ausland hergibt.

 

Mit den Rangern und Waldführern auf Tour

Bei allen wirtschaftlichen Aspekten darf natürlich nie vergessen werden, dass Sinn und Zweck eines Nationalparks der Schutz der Natur ist. Die Menschen der Region haben genauso wie die Besucherinnen und Besucher trotzdem viele Möglichkeiten den Nationalpark und seine Natur erleben und entdecken zu können.

Durch den Nationalpark Eifel hat die Nordeifel ein besonderes zusätzliches Merkmal im dicht besiedelten Bundesland NRW. Aber bereits vorher wurde die Natur der Nordeifel geschützt: Vorangegangen war dem Nationalpark der Naturpark Hohes Venn-Eifel, der mit seiner Gesamtfläche von ca. 2.442 qkm fast so groß ist wie Luxemburg. Er ist ein grenzüberschreitendes Projekt und besteht bereits seit 1970 durch Zusammenlegung der angrenzenden Naturparks der Nordeifel in NRW, Rheinland-Pfalz und Belgien (vorher: Parc Naturel Hautes Fagnes) erfolgte.

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Der Urftsee darf nur mit Elektrobooten befahren werden (c)

Der Nationalpark liegt mitten im Herzen dieses Naturparks, der ebenfalls natürlich weiter Bestand hat und dessen Symbol übrigens das Birkhuhn ist.

Nachdem 2006 auch der von belgischen Streitkräften verwaltete Truppenübungsplatz Vogelsang angegliedert wurde, umfasst der Nationalpark auch Teile der Dreiborner Hochfläche und den Urftstausee. Ein Besuch im Nationalpark Eifel lohnt sich das ganze Jahr über, so kann man im April Millionen von Narzissen erblühen sehen, im Juni die Blüten des Eifelgoldes Ginster besichtigen und im September die Brunft der Rothirsche erleben.

Auch im Winter steht das Leben im Park nicht still und es gibt auch in dieser Zeit spannende Rangertouren, die von der Nationalparkverwaltung kostenlos angeboten werden. Tierspuren im Schnee zu erraten ist in dieser Jahreszeit eine interessante Idee. Es gibt zahlreiche von den Rangern geführte Wanderungen im Nationalpark, wie etwa von Rurberg, Erkensruhr, Gemünd oder die Vogelsang-Wollseifen-Route. Das 1946 geräumte Dorf (damals ca. 500 Einwohner) Wollseifen wurde ab dann Teil des Truppenübungsplatzes und durch Schussübungen zerstört. Heute ist das „Geisterdorf“ ein Ort der Erinnerung und vor allem die Kirche in ihren Außenmauern noch erhalten.

Die Ranger geben bei ihren Touren reichlich Informationen zur Natur, aber auch einige spannende Anekdoten. Im übrigen achten sie auf die Einhaltung der im Nationalpark zu beachtenden Regeln, wie etwa Rauchverbot, Einhaltung von Ruhe, Zutrittsverbote, Leinenpflicht für Hunde und Pflückverbote. Neben den Rangertouren gibt es auch Touren mit Waldführern, die andere Themen beinhalten. Bei allen Touren wird auch weitgehend Rücksicht auf Behinderte genommen, damit auch sie den Nationalpark erleben können.

Wildkatzen, Buchenwälder und historische Aspekte

Die Landschaft besteht aus Wäldern, Seen und Bächen sowie offenen Grasflächen. Die Stichworte Wald, Wasser, Wildnis sind ein Motto des Nationalparks. Diese drei „Ws“ charakterisieren den Nationalpark tatsächlich ziemlich genau, wobei er seit 2014 auch als Sternepark ausgezeichnet wurde. Das bedeutet, dass man hier aufgrund der geringen Beeinträchtigung durch künstliches Licht die Sternen hier besonders gut beobachten kann.

Die unter preußischer Herrschaft und nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg rasch aufgeforsteten Nadelwälder prägen heute noch weite Teile des Nationalparks. Fichten, Douglasien und andere Nadelbäume repräsentieren jedoch noch die ursprüngliche Bewaldung dieser Region des westlichsten deutschen Mittelgebirges Eifel.

Typisch hierfür sind vielmehr die heimischen Buchenwälder, die in den nächsten Jahrzehnten die Nadelwälder wieder ersetzen sollen. Insofern ist der Park in der Entwicklung. Wo es nicht anders geht, greift man durch Fällungen ein, auf dem Höhenzug Kermeter dagegen rechnet man mit Borkenkäferbefall und wird dort nicht zugunsten der Nadelwälder eingreifen.

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Auf dem Schöpfungspfad bei Erkensruhr (c)

Hier sollen die Urwälder von morgen entstehen. Mit dabei natürlich die spannende Faune dieser Region, die zahlreiche Arten auf der Roten Liste beinhaltet. So findet man im Nationalpark Eifel Wildkatzen, Biber, Uhus und seltene Luchse. Ebenso Schwarzstörche, Nilgänse und auch Eisvögel, Salamander und seltene Kröten.

Besonders attraktiv sind die über 240 km langen Wanderwege, die die typischen Landschaftsformen des Parks erschließen. Einige Strecken sind daneben auch für Radfahrer und Reiter ausgewiesen. Daneben gibt es den spirituellen Schöpfungspfad, den Wildnis-Trail (mehrere „wilde“ Etappen) und in schneereichen Wintern Loipen.

Die verschiedenen Nationalparktore mit den dortigen Infozentren in Schleiden-Gemümd, Simmerath-Rurberg, Heimbach, Nideggen und Monschau-Höfen stehen alle unter verschiedenen Schwerpunkten, daneben gibt es außerdem zahlreiche Nationalpark-Infopunkte.

Eine Besonderheit des Nationalparks ist auch die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang. Das riesige Areal wurde in Zeiten des Dritten Reiches von den Nationalsozialisten als Schulungsstätte genutzt. Heute findet man hier neben einer Ausstellung zur Wildnis im Nationalpark auch zahlreiche Kunstausstellungen, eine Dauerausstellung zur NS-Zeit, das ehemalige Truppenkino der Belgier, ein Rotkreuzmuseum und ein Schwimmbad, sowie eine Gastronomie. Das Areal wird auch für Tagungen genutzt.

Durch diese einmalige Kombination ist der Nationalpark eine einzigartige Einrichtung zur Bildungsvermittlung sowohl zur Natur, als auch zu historischen und kulturellen Themen.