Europa

Geographisch gesehen ist Europa in Form von Eurasien mit Asien vereint und damit ein Subkontinent. Insbesondere aus kulturellen, politischen, historischen und auch wirtschaftlichen Aspekten wird Europa aber als eine eigene Einheit angesehen, die nach Asien hin durch das Uralgebirge abgegrenzt wird.

Die Flagge Europas zeigt zwölf symbolische Sterne (c)

Europa ist mit 10,5 Millionen qkm der zweit kleinste Erdkontinent. Größer sind Asien, Afrika, Nordamerika, Südamerika und Antarktika, lediglich Australien (Ozeanien) ist kleiner.

Für die antiken Griechen war der oberste Gott Zeus für die Trennung Europas (Εὐρώπη) von Asien verantwortlich. Zeus verwandelte sich in einen Stier und entführte die am Strand von Sidon (Phönikien, Libanon) spielende, schöne Königstochter Europa nach Kreta. Aus diesem Grund sprechen manche vom Antiken Griechenland, als Wiege Europas.

 

Bunte Vielfalt auf engstem Raum

Mit ca. 750 Millionen Einwohnern ist Europa der am zweit dichtesten bevölkerte Kontinent nach Asien. 75 Menschen teilen sich hier einen Quadratkilometer. Dieser Durchschnittswert sagt allerdings wenig aus, denn es gibt große Unterschiede bei der Bevölkerungsdichte der europäischen Länder. So leben auf Island gerade einmal 3,5 Personen pro qkm, auf Malta 1371 Personen.

Europa ist nicht nur bei der Bevölkerungsdichte sehr unterschiedlich. Durch den milden Golfstrom haben weite Teile Europas ein gemäßigtes Klima, die Mittelmeerregion ist dagegen mediterran (subtropisch) geprägt, während in Nordeuropa schon arktisches Klima herrscht. Die intensiven Westwinde bringen Niederschläge vom Atlantik. So hat Bergen (West-Norwegen) jährlich 2.250 mm Niederschlag, Murcia in Spanien gerade einmal 300 mm zu verzeichnen. Die in West-Ost-Richtung verlaufenden Alpen dienen in Europa als natürliche Wetterbarriere, daher gibt es hier weniger ausgeprägte Wetterextreme als in Nordamerika (z.B. Tornados).

Der Mont Blanc ist mit 4.810 m der höchste Berg der Alpen.

Die Landschaften Europas sind ebenfalls vielfältig. Fjordlandschaften, Seenplatten, Mittelgebirge, Hochgebirge wie die Alpen, Fluss- und Küstenzonen sowie Tiefland (Niederlande, Norddeutschland) findet man ebenso wie eine den Landschaften und Klimazonen angepasste Tier- und Pflanzenwelt. Die Wolga (3.530 km) ist noch vor der Donau (2.845 km) der längste Fluss Europas. Der höchste Berg Europas ist mit 5.642 m der Elbrus im Kaukasus (Russland). Der höchste Berg der Alpen ist der Mont Blanc (4.810 m, Frankreich/Italien) vor der Dufourspitze (4.634 m, Schweiz).

Europa ist bekannt für seine kulturellen Metropolen als Zentren von Kunst, Musik, Sport und Architektur. Die zehn größten Städte und Ballungszentren Europas sind Moskau, London, Istanbul (nur europäischer Teil), Sankt Petersburg, Berlin, Madrid, Kiew, Rom, Paris und Minsk.

 

Kultur und Wirtschaft Europas

Aufgrund seiner frühen Besiedlungsgeschichte und antiker Hochkulturen wie Griechen und Römer wird Europa auch die Alte Welt genannt. Die Neue Welt wurde von hier aus entdeckt. Als Entdecker Amerikas gilt heute der Isländer Leif Eriksson (isl.: Leifur Eiríksson), der um das Jahr 1000 Nordamerika entdeckte. Aber erst nach Christoph Kolumbus Entdeckung 1492 begann die dauerhafte Kolonialisierung Amerikas, zunächst durch die Spanier, später durch Portugiesen, Briten, Franzosen und Niederländer. Berühmte europäische Entdecker oder Seefahrer waren auch z.B. James Cook, Vasco da Gama, Marco Polo und Roald Amundsen.

Die europäischen Staaten bauten weltweit Kolonialreiche auf. Das Britische Weltreich (engl. British Empire) hatte um 1922 seine größte Ausdehnung und umfasste ein Viertel der Erde. Die Briten hatten damit das größte Kolonialreich der Geschichte. Bis heute sind viele ehemalige Kolonien mit Großbritannien im Commonwealth of Nations verbunden.

Mit der europäischen Besiedlung verteilten sich auch die Sprachen Europas über die Welt und so sind Englisch, Spanisch und Französisch bis heute weltweit verbreitet – als Handels-, Verkehrs- oder sogar offizielle Amtssprachen außereuropäischer Länder. Einige europäische Staaten (Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal, Dänemark und Niederlande) haben bis heute außereuropäische Überseegebiete, so dass diese politisch, aber nicht geographisch zu Europa zählen.

Die Vielfalt Europas kommt auch bei den zahlreichen Sprachen zum Ausdruck. Es werden germanische, romanische und slawische Sprachen gesprochen, die man u.a. zur Gruppe der indogermanischen Sprachen zählt. Sie machen 90 % aller Sprachen Europas aus. Finnisch, Estnisch und Ungarisch sind finno-ugrische Sprachen. Türkisch und Kasachisch sind dagegen Turksprachen. Damit nicht genug, es gibt auch verschiedene Schriftsysteme wie das lateinische, kyrillische und griechische Alphabet.

75 % der Menschen Europas sind Christen, Südeuropa (aber auch Staaten wie Polen und Irland) ist stark römisch-katholisch geprägt, Nordeuropa protestantisch (Lutheraner) und orthodoxe Kirchen gibt hauptsächlich in Osteuropa. Muslime findet man in der Türkei, aber auch in Bosnien-Herzegowina, Albanien und als Minderheit in nahezu allen Staaten Europas. Jüdische Minderheiten findet man u.a. in Frankreich, Großbritannien, Russland und Deutschland.

Bei soviel Vielfalt wundert es nicht, wenn das Motto Europas lautet: In Vielfalt geeint (lateinisch: In varietate concordia).

Neben den vielen kulturell-künstlerischen Leistungen Europas ist auch die politische Stellung des Kontinents hervorzuheben. Im antiken Griechenland wurde die Demokratie quasi erfunden, die Römer entwickelte viele Rechtsgrundsätze und bis heute international geltende Regeln zur Staatsorganisation. Europa war Zentrum der Aufklärung, des Humanismus und Liberalismus.

Im internationalen Vergleich ist Europa wirtschaftlich wohlhabend mit politischer Stabilität. In der Top 10 des Human Development Index befinden sich sieben Staaten aus Europa. Insbesondere Skandinavien und die deutschsprachigen Staaten haben ausgeprägte Sozialstaaten (Soziale Marktwirtschaft), niedrige Kriminalitätsraten und eine hohe Lebensqualität.

Von Großbritannien aus nahm einst die Industrielle Revolution ihren Lauf und führte den zu einer starken Wirtschaftskraft. Europa ist bis heute der Kontinent der Erfindungen, Innovationen und Dienstleistungen. Die Landwirtschaft ist ertragreich und produzierte Maschinen und Autos gehen in die ganze Welt.

 

Europäische Organisationen

Die Europäische Union (EU) ging 1992 (Vertrag von Maastricht) aus der seit 1957 (Römische Verträge) bestehenden EG hervor. Die Montanunion war bereits 1951 von den Staaten Belgien, Bundesrepublik Deutschland (West-Deutschland), Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande gegründet worden. Dieser Beginn der europäischen Einigung war das Ergebnis der zwei für Europa und die Welt zerstörerischen Weltkriege.

Der EU gehören heute 28 Staaten Europas an. Der Staatenverbund beinhaltet einen riesigen gemeinsamen Wirtschaftsraum. Neben der wirtschaftlichen Einheit ist aber die politische Einheit ein wichtiges Ziel der EU-Politik sowie eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik. Über die Zukunft der EU und deren Entwicklung gibt es je nach Mitgliedsstaat sehr unterschiedliche Vorstellungen, einige wünschen sich eine Entwicklung bis hin zu einem Bundesstaat, anderen geht dies viel zu weit.

Die meisten EU-Staaten haben außerdem den Euro als gemeinsame Währung eingeführt. Die EU hat eine eigene Rechtspersönlichkeit und ist ein sog. abgeleitetes Völkerrechtssubjekt und ist u.a. Mitglied in der G20 und der Welthandelsorganisation. Der Aufbau der EU ist komplex: Organe der EU sind das Europäische Parlament (Sitz: Straßburg), die Kommission (Sitz: Brüssel, ähnlich einer Regierung mit Ministern), dem Gerichtshof und dem Rechnungshof (beide Sitz: Luxemburg) und der Europäischen Zentralbank (Sitz: Frankfurt am Main). Der Europäische Rat (auch EU-Gipfel) trifft sich mindestens zweimal pro Halbjahr als Gremium der Staats- und Regierungschefs. Zusätzliche gibt es noch den Rat der EU, wo alle halbe Jahre ein Mitgliedsland die Ratspräsidentschaft einnimmt und sich regelmäßig meist die Minister der Mitgliedsstaaten zu Beschlüssen in ihrem Ressort treffen.

Neben der EU gibt es auch noch andere europäische Organisationen wie etwa die EFTA (engl.: European Free Trade Association mit den Mitgliedern Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz), den Europarat (Sitz: Straßburg, 47 Mitgliedstaaten, gegründet 5. Mai 1949 in London) und die OSZE (Sitz: Wien, engl: Organisation for Security and Co-operation in Europe). Für die militärische Zusammenarbeit ist die NATO (engl: North Atlantic Treaty Organization) in Europa zu erwähnen, ein Bündnis europäischer Staaten mit den USA und Kanada. Der NATO gehören viele EU-Mitglieder an, Länder wie Schweden und Österreich jedoch nicht.

Zurzeit sind alle Amtssprachen der EU-Mitgliedsländer auch offizielle Sprachen der Europäischen Union. Die einzige Ausnahme ist Lëtzebuergesch, da Luxemburg auf diesen Status für seine moselfränkische Nationalsprache verzichtet. Davon abgegrenzt werden zudem drei interne Arbeitssprachen der EU-Institutionen: Englisch, Französisch und Deutsch.

 

Wichtige Eckdaten zur EU

Lage: Europa, mit kleineren Gebieten in Afrika (zum Beispiel Mayotte, Ceuta und Melilla),
Asien (Zypern) und Südamerika (Französisch-Guyana).

Fläche: ca. 4.381.320 km²
Einwohner: ca. 512 Millionen
Bevölkerungsdichte: 116 pro km²

Motto: In Vielfalt geeint (lat. In varietate concordia)
Amtssprachen: 24
Arbeitssprachen der Organe: Englisch, Französisch und Deutsch.

Organe (mit Sitz): Europäischer Rat, Rat (Ministerrat) und Kommission (alle Brüssel), Europäisches Parlament (Straßburg),
Gerichtshof, Rechnungshof (beide Luxemburg), Europäische Zentralbank (Frankfurt am Main).

Währung: Euro (€) und weitere.
Hymne: Ode an die Freude (von Ludwig van Beethoven)
Feiertag: 9. Mai (Europatag; als Erinnerung an den 9. Mai 1950 als Tag der Schuman-Erklärung)
Internetendung: .eu

 

Der Euro als gemeinsame Währung

Deutschland bildet mit 18 weiteren EU-Staaten außerdem die Europäische Währungsunion und hat seit dem 1. Januar 2002 den Euro (€) als offizielles Zahlungsmittel eingeführt. Der Euro löste damit die Deutsche Mark (DM) ab. Die Europäische Zentralbank ist die verantwortliche Notenbank der Eurowährung und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Sie ist damit zurzeit das einzige EU-Organ, dass seinen Sitz in Deutschland hat.

Die gemeinsame Währung ist ein wichtiger Schritt zu einem gemeinsamen Europa ist. Auch bei den reisefreudigen Deutschen kommt der Euro gut an, da lästige Geldwechsel und entsprechende Gebühren weggefallen sind. Exporte innerhalb der EU werden durch die Existenz des Euro ebenfalls vereinfacht, ebenso ist eine “große” Währung besser geschützt gegenüber Währungsspekulationen. Eurobonds und Euro- Rettungsschirme haben allerdings in der deutschen Öffentlichkeit die positive Grundeinstellung zur Währung getrübt.

Die EU besitzt zurzeit 24 Amtssprachen, grundsätzlich sind alle jeweiligen Amtssprachen eines Mitgliedslandes auch Amtssprache der EU, lediglich Luxemburg hat darauf verzichtet und nicht noch zusätzlich Lëtzebuergesch angemeldet. Neben diesen vielen Amtssprachen besitzt die EU drei Arbeitssprachen: Englisch, Französisch und Deutsch. Diese Bevorzugung dieser Sprachen gegenüber den anderen rechtfertigt die Tatsache, dass diese drei die meistgesprochenen der EU-Bürgerinnen und Bürger sind. In den letzten Jahren hat aber Englisch zunehmend an Einfluss gewonnen, Deutsch wird im übrigen im Vergleich dazu trotz Vorgabe leider kaum genutzt.

Die EU als Staatenverbund hat eigene Souveränitätsrechte, ihre Organe dürfen allerdings nur in diesen Bereichen tätig werden, die durch ihre Gründungsverträge ausdrücklich genannt sind. Damit wird schon klar, dass die EU ein kompliziertes Gebilde ist, dass letztlich immer im Definierungs- und Spannungsprozess zwischen ihren Mitgliedsstaaten liegt. Diese haben dabei durchaus sehr unterschiedliche Vorstellungen.

 

Montanunion und heutige Europäische Union

Ein so großes und kompliziertes Konstrukt wie die EU entsteht nicht urplötzlich, sondern entwickelt sich über Jahrzehnte. Am 9. Mai 1950 hielt der französische Außenminister Robert Schuman (1836 – 1963) in Paris eine Presseerklärung ab. Diese mit dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876 – 1967) abgestimmte Schuman-Erklärung führte zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS; Montanunion) am 18. April 1951.

In der EGKS arbeiteten die sechs Gründerstaaten Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Niederlande, Luxemburg und Italien im Bereich der Kohle- und Stahlproduktion in einer gemeinsamen Behörde erfolgreich zusammen. Diese Modell sollte zu einem gemeinsamen Markt ausgebaut werden, außerdem sollte die Kernenergie gemeinsam und friedlich genutzt werden. Zu diesem Zweck unterzeichneten diese Staaten am 25. März 1957 in Rom die Römischen Verträge zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und zur Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom).

Ob es nun Zufall war oder Absicht sei dahin gestellt, aber die Tatsache, dass die antike Wiege des Imperium Romanum als Ort für die Verträge gewählt wurde, war ein gutes Vorzeichen für die Verwirklichung des Wunschs nach einem Vereinten Europa.

Am 8. April 1967 wurden die Gemeinschaften EGKS, EWG und Euratom mit der Unterzeichnung der Vertragsstaaten in Brüssel durch den EG-Fusionsvertrag ab 1. Juli 1967 zusammengefasst. Ab dann sprach man von der Europäischen Gemeinschaft (EG). Am 1. Januar 1973 traten bei der sogenannten Norderweiterung die Staaten Irland, Dänemark und das Vereinigte Königreich (Großbritannien) der EG bei.

Die Süderweiterung lässt die EG erweitern um die neuen Mitgliedsstaaten Griechenland (1981), Portugal und Spanien (beide 1986). Nach einer Volksabstimmung (1982) trat Grönland (Teil der EG durch die assoziierte Zugehörigkeit zu Dänemark) im Jahr 1985 aus der EG aus.

Durch den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zur Bundesrepublik Deutschland erweitert sich die EG erneut. Am 7. Februar 1992 wurde der Vertrag von Maastricht unterzeichnet. Darin wurden die Integrationsschritte vertieft und auf andere Politikbereiche ausgeweitet. Auch wurde darin eine Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik vereinbart. Aus der EG wurde dann die Europäische Union (EU).

In einer zweiten Norderweiterung der EU folgten die Staaten Schweden und Finnland, sowie Österreich 1995. Nachdem in Europa der Eiserne Vorhang gefallen war und sowohl Warschauer Pakt als auch der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) seit 1991 nicht mehr existierten, war der Weg frei für die Osterweiterung der EU. Zum 1. Mai 2004 traten daher die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie Polen, Tschechien, Ungarn sowie die Slowakei und Slowenien bei. Außerdem nutzen die Inselstaaten Malta und Zypern diese Erweiterung zum EU-Beitritt.

2007 folgten dann die ebenfalls ehemaligen Ostblockstaaten Bulgarien und Rumänien. Kroatien trat der EU als zweite ehemalige Teilrepublik Jugoslawiens (nach Slowenien) nach mehrjährigen Beitrittverhandlungen im Jahre 2013 bei.

Weitere vertragliche Meilensteine zu einer stärkeren Zusammenarbeit der EU-Institutionen und Mitgliedsländer waren der Vertrag von Amsterdam (1997), der Vertrag von Nizza (2001) und der Vertrag von Lissabon (2007). Irland lehnte den Vertrag von Lissabon nach einem Referendum (2008) zunächst ab, stimmte dann aber nach erneuter Abstimmung 2009 zu. Nachdem Tschechien ebenfalls zustimmte, konnte der Vertrag zum 1. Dezember 2009 in Kraft treten.

 

Deutsch-Französischer Motor und Ausblick

Deutschland ist mit 82 Millionen Bewohnerinnen und Bewohnern das bevölkerungsreichste EU-Land. Mit 96 Parlamentsabgeordneten stellt es auch die meisten Mitglieder im Europäischen Parlament. Gemeinsam mit Frankreich wird Deutschland auch oft als “Motor” der Union bezeichnet. Dieser Vergleich spielt nicht nur auf die Größe der beiden Länder und deren starke Wirtschaftskraft an, sondern auch auf die wesentliche und unverzichtbare Rolle der beiden Nationen bei der historischen Entstehung der EU.

Beide Länder haben in den vergangenen Jahrzehnten basierend auf den Erfahrungen der über Jahrhunderte geführten Kriege in Europa einen hohen Integrationswillen gezeigt. Die hat dazu geführt, dass in vielen Fragen der EU bis heute Deutschland und Frankreich eine Vorreiterrolle einnehmen. Dieses Selbstverständnis steht in der europäischen Tradition von den Gründervätern der EU wie etwa Robert Schuman, Jean Monnet, Konrad Adenauer und Walter Hallstein. Dies erklärt auch oft den Gegensatz zu anderen Staaten, die zwar Teil der EU sind, diese aber eher “bremsen”.

Egal in welcher Epoche der europäischen Einigung man war, Europaskeptiker gab es immer. Das ist auch nachvollziehbar, da es letztlich immer schwierig ist, den jeweiligen nationalen Ansprüchen gerecht zu werden und die Union eine Gemeinschaft der Kompromisse ist. Dem einen geht Europa zu weit, dem anderen nicht weit genug (Lösungsansatz z.B.: Europa der zwei Geschwindigkeiten). Insbesondere der starke Erweiterungsdrang der EU sowie Probleme bei der Findung einer gemeinsamen Außenpolitik, Asyl- und Einwanderungspolitik und Fiskalpolitik bereiten der EU durchaus Probleme. Zu unterschiedlich erscheinen oft die Vorstellungen der einzelnen Mitgliedsstaaten. Aber auch wenn die Prozesse oft lange dauern, am Ende einigt man sich dann doch.

Auch die Finanzierung des EU-Haushalts ist hierzulande ein Diskussionsthema. Kein Wunder, denn Deutschland ist vor Frankreich nominal der größte Nettozahler. Pro Kopf zahlen allerdings die Schweden, Dänen und Luxemburger mehr in den gemeinsamen Topf Europas. Die übermäßige EU-Bürokratie sowie das “Sprachenchaos” von Brüssel sind ebenfalls Kritikpunkte.

Aber: Bei aller Kritik sollte man allerdings die historische Einmaligkeit der Europäischen Union nie vergessen. Entstanden nach den Schrecken der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert hat sie dem Kontinent Frieden und wirtschaftlichen Wohlstand gebracht.