Flamersheim

Der heutige Ortseil Flamersheim der Kreisstadt Euskirchen blickt auf eine weit zurückreichende Geschichte zurück.

wappen flamersheim

Wappen von Flamersheim. Quelle: Stadtarchiv Euskirchen, Bestand Kuchenheim II, Nr. 46.

In einer der burgenreichsten Regionen Deutschlands gelegen, findet man in Flamersheim selbst die Burg Flamersheim (erstmals 1358 erwähnt). Die heutige Anlage geht auf eine mittelalterliche Wasserburg zurück und wechselte im Laufe der Jahrhunderte öfters Aussehen und Besitzer.

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Die Burg Flamersheim im Frühling, früh morgens bei blauem Himmel. (c)

Über 200 Jahre gehörte sie der Familie Quadt von Landskron, die hier einen Stützpunkt der Protestanten errichteten und um 1770 die Evangelische Kirche bauten. Bereits urkundlich erwähnt sind protestantische Aktivitäten um 1561, damit zählt die evangelische Gemeinde Flamersheims zu den ältesten im gesamten Rheinland.

 

Flavomaresheim zur Frankenzeit

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Flamersheim bereits in der Frankenzeit, als man in der Chronik des Abtes Regino von Prüm 870 von der “villa regia nomine Flameresheim” also dem Königsgut Flamersheim sprach. Damals lag dieses Königsgut zwischen Hockenbroich und dem heutigen Kirchheim. Nach der Plünderung und Zerstörung beim Normannensturm im Jahr 881 bewegten sich die Flamersheimer ca. 2 km nach Osten und siedelten neu im heutigen Zentrum des Ortes. Die Namensherleitung “Flavomaresheim” stammt wohl vom fränkischen Siedler Flavomar.

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Die Katholische Kirche St. Stephanus von Flamersheim. (c)

An der Hofkirche im alten Flavomaresheim verblieben nur wenige Menschen, aus dieser Siedlung und Hockenbur entstand dann später das “Heim an der Kirche”, das heutige Kirchheim.

Ziegelfunde und ein alter Begräbnisplatz zeugen bereits von einer Besiedlung Flamersheims zu römischen Zeiten. Das von Flamersheim nicht allzu weit entfernte Köln hatte seine Anfänge als römische Militärkolonie Colonia Claudia Ara Agrippinensium, deren Einflusszone sich bis in die Wälder der Nordeifel ausdehnte.

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Die Evangelische Kirche von Flamersheim mit Maibaum. (c)

Die spätere Provinz Niedergermanien (lat. Germania inferior) mit Köln als Hauptstadt wurde wie alle neu dazugewonnen Gebiete des Römischen Reiches mit Straßen wie der Via Belgica und der Via Agrippa erschlossen. Nach der Unterwerfung der Kelten und dem Feldzug gegen die Eburonen (bis 51 v. Chr.) durch römische Legionen entwickelte sich Köln schnell zu einer Metropole mit Thermen, Brunnen, Palästen und sogar einer Kanalisation.

Das war der Beginn der Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln, deren Überreste man heute entlang des Römerkanal-Wanderwegs auf ca. 116 km in sieben Etappen entdecken kann und der auch auf der vierten Etappe (Start Kreuzweingarten – Ende Rheinbach) an Flamersheim vorbeiführt.

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“De Pötz” an der Ecke “Kleine Höhle” zur “Großen Höhle” in Flamersheim. (c)

Übrigens ist auch das von Flamersheim nahe gelegene Bonn (lat. Bonna)  eine römische Siedlung, die nach der für die Römer desaströsen Varusschlacht (9 n. Chr.) mit einem Römerlager mit Legionsstärke ausgebaut wurde.

 

Schon zu römischen Zeiten strategisch günstig

Bis heute profitiert Flamersheim von seiner strategisch günstigen Lage zu den Großstädten Köln und Bonn. Es liegt dazu unweit der Kreisstadt Euskirchen und den Städten Rheinbach und Bad Münstereifel. Diese zentrale Lage war bereits in der Antike ein Vorteil. Bereits zu römischen Zeiten führte eine Römerstraße von Blankenheimerdorf beginnend über (Bad) Münstereifel durch Flamersheim nach Buschhoven. Ebenso verlief ein Handelsweg von Blankenheim über den riesigen Flamersheimer Wald nach Meckenheim.

Die einstigen Bewohner Flamersheims lebten im römischen Lebensstil, wovon auch eine aus Flamersheim stammende Schale aus Terra sigillata (roter Siegelerde) im Bonner Landesmuseum zeugt.

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Die Überreste der Tomburg liegen verwunschen im Wald (c)

Nach den Römern und den Franken ging Flamersheim gemeinsam mit der Tomburg (auf dem Tomberg bei Wormerdorf, heute Stadt Rheinbach) im 11. Jahrhundert an das Erzbistum Köln. Ab 1323 ging Flamersheim an den Herzog von Jülich. Die katholische Kirche St. Stephanus von Flamersheim wurde um 1100 erbaut, 1666 wurde der Dachstuhl bei einem Brand zerstört und 1887 der alte Chor abgebrochen und mit einem neuen in romanischen Formen und einem Langhaus mit Querschiff ersetzt bzw. ergänzt.

Flamersheim bildet heute einen der neuen Siedlungsschwerpunkte im Stadtgebiet Euskirchen. Von den 23 Stadtteilen Euskirchens sind lediglich neben der Kernstadt, noch Stotzheim und Kuchenheim größer. Danach folgt Flamersheim mit fast 3.000 Einwohnern. Die Infrastruktur ist für einen Ort dieser Größenordnung ausgesprochen gut, denn Flamersheim besitzt eine Grundschule, zwei Kindergärten, ein Dorfgemeinschaftshaus, zwei Supermärkte, mehrere Ärzte und andere Unternehmen im Bereich Handel und Handwerk. Hinzu kommt ein Sportplatz (Kunstrasenplatz in Bau) und natürlich auch aktive Vereine wie etwa der Sportverein (VfR Flamersheim), einige Karnevalsgruppen (Rosenmontagszug) und ein aktiver Junggesellenverein. Weitere Events sind die jährliche Kirmes im Sommer, der Trödelmarkt am Marktplatz und das Maifest.

Insbesondere durch die Neubaugebiete ist die Einwohnerzahl in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Die günstige Lage zwischen den Metropolen des Rheinlands (Autobahnnähe, nahe Bahnhöfe in Euskirchen, Kuchenheim, Odendorf und Rheinbach) und der landschaftlich reizvollen Eifel (u.a. Nationalpark Eifel, Ahrtal) machen Flamersheim weiterhin zu einem sehr gefragten Wohnort.

 

Sehenswürdigkeiten in und um Flamersheim

Die Burg Flamersheim spielte in der Geschichte des Ortes eine wichtige Rolle. 1861 ging sie in den Besitz der Fabrikantenfamilie Bemberg aus Elberfeld über, die das Schoss im Stil des Neobarocks veränderte und zugleich den Park als barocken Schlossgarten (Boskett) anlegte. Seit 1982 ist das Schloss als Baudenkmal geschützt, ein guter Blick auf die Sehenswürdigkeit mit kleinem Weiher und Grünanlage ergibt sich von der Sperberstraße (Hinweis: die Burg ist Privatgelände!).

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Die Burg Flamersheim am Tag des Offenen Denkmals. (c)

Auf dem Gelände der Burg befinden sich zwei Restaurants, einmal das regional bekannte Gourmetrestaurant “Bembergs Häusschen” und daneben das rustikale Gasthaus “Eiflers Zeiten“.

Nicht weit von der Burg befinden sich die beiden Kirchen von Flamersheim und der zentral-historische Marktplatz mit dem alten evangelischen Pfarrhaus (später Post), sehenswerten Fachwerkbauten und dem historischen Urteilsstein aus Granit unter hübsch angelegten hohen Linden. Unweit hiervon findet man auch das historisch interessante Haus Heiden auf der Horcheimer Straße.

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Der Urteilsstein des alten Gerichts Flamersheim am Kirchenvorplatz. (c)

Einen Spaziergang wert ist auch die Mönchstraße in Flamersheim, wo man weitere historische und denkmalgeschützte Fachwerkhäuser und Bauten entdecken kann. Hier steht auch das Haus der Vorfahren des Chemikers und Nobelpreisträgers Emil Fischer (1852 – 1919), die Alte Apotheke (Fachwerk, 17 Jahrhundert) und die Alte Schule (Backsteinbau, 1877) des Ortes.

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In Flamersheim findet man noch einige Fachwerkbauten (c)

Direkt in der Nähe von Flamersheim befindet sich außerdem der Flamersheimer Wald, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. Hier kann man endlose Wanderungen unternehmen oder kleine Sehenswürdigkeiten entdecken wie etwa den Thomasbrunnen, die Quelle am Nonnepütz, die Waldkapelle Rheinbach und die Burgruine Tomburg.

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An der Steinbachtalsperre kann man gemütlich wandern (c)

Ebenso ist die idyllisch gelegene Steinbachtalsperre mit ihrem Waldfreibad bei Kirchheim nur einen Katzensprung entfernt und lädt zu Spaziergängen ein. Im Sommer ist das Waldfreibad mit seiner idyllischen Lage eine vielbesuchte Einrichtung. Hier findet man außerdem eine Minigolfanlage, einen Spiel- und Grillplatz und ein Waldgasthaus mit Biergarten (mit selbstgebrauten Steinbachbier).

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Die Hardtburg ist nur eine der vielen Burgen der Nordeifel. (c)

Richtung Stotzheim befindet sich ebenfalls mit dem Hardtwald und der Hardtburg eine interessante Sehenswürdigkeit und ein beliebtes Naherholungsgebiet. Hier kann man zu allen Jahreszeiten spannende Walderkundungstouren und Wanderungen unternehmen.